Liebe Alle,
noch nie in meinem Leben habe ich andere darum gebeten, mir zu helfen oder mich zu unterstützen, da ich immer versucht habe, die Widrigkeiten des Lebens aus eigener Kraft zu meistern, was mir bisher auch immer gelungen ist. Nun bin ich, mit 37 Jahren, mit meiner Familie aber in eine Situation gekommen, von der ich nie geahnt hätte, dass mir sowas passieren könnte, aber zunächst der Reihe nach....
Ein großer Traum von mir war immer, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und so, nach meinen Kräften, einen Teil für ein friedliches und lebenswertes MIteinander beizutragen. Daher war ich überglücklich, als ich 2014 meine Ausbildung im Strafjustizvollzug der Freien und Hansestadt Hamburg beginnen durfte, welche ich im April 2016 erfolgreich abschloss. Ich weiß, viele können sich eine Arbeit hinter Gittern als Frau nicht oder nur schwer vorstellen, dennoch muss auch diese Arbeit gemacht werden und ich stellte mich gern dieser Herausforderung. Ich habe immer mit Stolz die Uniform getragen und habe es als Ehre empfunden, mit meinem Einsatz unsere gesellschaftlichen Werte und Normen im Dienst der Justiz der Freien und Hansestadt Hamburg zu leisten und die Erwartungen an mich, zu erfüllen. Ich habe meinen Dienst immer als Dienst an der Gesellschaft verstanden, die schließlich auch mein Gehalt bezahlt. Daher war für mich, neben einem professionellen Umgang mit den Insassen, auch immer eine korrekte und an den Vorgaben orientierte Dienstausübung selbstverständlich. Dies wird seitens der Bevölkerung schließlich zurecht erwartet.
Nach 1,5 Jahren in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg, begann meine zweite Hälfte der beamtenrechtlichen Probezeit an der JVA Fuhlsbüttel, auch bekannt als "Santa Fu". In dieser Zeit wurde ich 2017 mit meinem ersten Kind schwanger und ab hier begann für mich ein Spießrutenlauf, den ich mir in der heutigen Zeit, in einer Stadt, die sich weltoffen, nach vorn gerichtet und familienfreundlich nennt, nicht in meinen schlimmsten Träumen hätte vorstellen können. Es begann damit, dass man mir keinen mutterschutzgerechten Arbeitsplatz anbieten wollte und mir stattdessen "Uniform aus der Kleiderkammer" anbot, die schließlich mit meinem Babybauch "mitwachsen" würde, während ich meinen Dienst zwischen den Insassen weiter verrichten würde. Aber als baldige Mutter wollte ich mich dieser Gefahr aus verständlichen Gründen natürlich nicht aussetzen und bat um einen vorübergehenden Dienst ohne Kontakt zu Insassen. Da man mich nicht adäquat beschäftigen wollte, stellte man mich stattdessen dienstfrei und verwendete dafür kurzerhand meine Überstunden. Erst später konnte über eine übergeordnete Behörde ein entsprechender Dienstort für mich realisiert werden. Die Geburt meines ersten Kindes verlief dann alles andere als problemlos, um es einmal so zu formulieren. Kurzum wären sowohl mein Kind als auch ich fast gestorben. Ich hatte innere Blutungen, die nicht erkannt wurden, mein Sohn eine schwere Infektion, die ebenfalls sehr spät festgestellt wurde. Zum Glück sind bei uns beiden keine Folgeschäden geblieben, es war lediglich verdammt knappt.
Auch nach dieser schweren Zeit wollte ich nun wieder motiviert in meinen Dienst einsteigen. Ich ahnte nicht, was damit auf mich und meine Familie zukommen würde. Ungeachtet dessen, dass sich alle Behörden der Freien und Hansestadt Hamburg mit einer besonderen Vereinbarkeit von Beruf und Familie rühmen und dies auch unter anderem im Gleichstellungsgesetz u. A. verankert haben, bleibt in der Realität davon nicht viel übrig, wenn man die "Versprechungen" tatsächlich in Anspruch nehmen muss. Es war nicht möglich, mit meiner Dienststelle eine Lösung zu finden, die mir zum einen erlaubt, neben der Betreuung meines Kindes, auch meinen geliebten Beruf in Einklang zu bringen. Immer wieder wurden mir Steine durch den Personalverantwortlichen in den Weg gelegt, der mir immer höhere und am Ende nicht mehr zu überwindende Hürden stellte, um wieder in den Dienst zu gelangen. In dieser Zeit wurde ich erneut schwanger. Durch das Risiko der ersten Schwangerschaft, konnte ich keinen Dienst verrichten und wollte nach Elternzeit erneut einen Start ins Dienstleben wagen.
Wieder wurde mir sehr schnell klar, dass ich als nunmehr zweifache Mutter offenbar ein Störfaktor im Justizvollzug darstelle und man mich am liebsten loswerden wollte. Es war erneut nicht möglich, trotz einer sehr offenen und transparenten Kommuniktion mit der Dienststelle, eine Lösung zu finden, die für alle gewinnbringend war. Trotz Vollzeitkindergarten und der bestmöglichen Einplanung der Arbeitszeit meines Mannes, war es nicht möglich, meine Dienststelle zu einer Dienstplanung zu bewegen, die mir nun endlich wieder den Einstieg in meinen Beruf ermöglichen würde.
Schließlich wurden meine Dienstzeiten bewusst entgegen der Betreuungszeiten meiner Kinder geplant. Hierdurch entstand für mich ein großer innerer Konflikt zwischen meinen dienstlichen Pflichten und den familiären Erfordernissen. Natürlich ließ ich meine Kinder nie im Stich. Es ist mir unverständlich, warum derart empathielos mit Mitarbeitern umgegangen wird.
Dieser Kampf um den Wiedereinstieg in meinen Wunschberuf, zog sich schließlich über mehrere Jahre, in denen meine Belastungsgrenze und die meiner Familie bis ans Unerträgliche ausgereizt wurde. Schließlich erkrankte ich und war zunächst nicht mehr dienstfähig. Vielleicht muss ich es heute als Zeichen des Himmels werten, dass uns in dieser Zeit unser drittes Kind geschenkt wurde, was mir wieder diese Kraft verlieh, weiter zu kämpfen. Einen Tag vor Geburt dieses Kindes, erhielt ich per Postzustellungsurkunde die Entlassungsverfügung des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, in welcher mir mitgeteilt wurde, dass ich zum Ablauf des 30.06.2023 aus dem Justizdienst der Freien und Hansestadt Hamburg entlassen werde. Um mir innerhalb einer Schwangerschaft kündigen zu können, holte sich die Behörde sogar eine Sondergenehmigung ein, um ihr Vorhaben "wasserdicht" zu machen. Vorab hatte man mir bereits eine Beurteilung mit nahezu den schlechtesten Ergebnissen ausgestellt und ein Disziplinarverfahren mit nachweislich widerlegbaren Anschuldigungen eröffnet. Hier hat offenbar die Behörde ihr wahres Gesicht gezeigt und eine Mutter von 3 Kindern, die sich stets an die Vorgaben gehalten hat, schlicht als unbequemen Störfaktor entfernt. Ich erinnere mich nur zu gut an ein persönliches Gespräch mit der Leiterin der Personal- und Ressourcensteuerung Justizvollzug, in dem diese wörtlich sagte, ich hätte "mehr bitten sollen" und "wo kommen wir da hin, wenn jede Mutter das durchsetzen will" und man das Ganze "sportlich sehen würde". So sportlich zerstört man Existenzen.
Es blieb folglich nur der Weg zu einem Fachanwalt, der sich umfangreich durch unsere aufbereiteten Belege in den Sachverhalt einarbeitete. Trotz grundsätzlich bestehender Rechtslage, die eindeutig für mich sprach, wies er uns natürlich auf das bekannte Prozesskostenrisiko hin. Der alte Spruch "Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei" gilt natürlich auch für mich. Da es mir aber nicht nur um meinen Beruf, sondern auch um eine gewisse Gerechtigkeit ging und zukünftig auch andere Mütter und Väter im Justizvollzug Hamburg und anderswo davon profitieren können, entschloss ich mich, das Risiko einzugehen. Es lohnt sich immer, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Und wenn man verliert, hätte man es wenigstens versucht!
Trotz Vorlage sämtlicher Originalbelege, E-Mails und anderer Unterlagen, die ich über die gesamte Zeit Gott sei Dank aufbewahrte, lehnte das Verwaltungsgericht Hamburg unseren Eilantrag jedoch ab. Da das Verwaltungsgericht Hamburg ebenfalls zur Justizbehörde Hamburg gehört, darf man natürlich gerne spekulieren, in wessen Interesse hier beschlossen wurde.
Uns fehlt nun die Kraft, diesen Kampf weiterzuführen und ich habe mich entschlossen, dieser Behörde endgültig den Rücken zu kehren. Es ist immer noch mein Berufswunsch, gerade in einer Zeit, in der Behörden der Nachwuchs fehlt und die Motivation der Mitarbeiter aufgrund schlechter werdender Bedingungen nicht gerade wächst. Dennoch ist mein Vertrauen in die Fürsorge gegenüber den Beamtinnen und Beamten und gerade gegenüber Müttern, zunichte gemacht worden.
Nun meine bescheidene Bitte. Die Rechtschutzversicherung deckt zwar einen Teil der Rechtsanwaltskosten ab, dieser ist aber leider sehr gering. Wir bleiben somit auf einer Summe von gut 8000€ sitzen. Diese Kosten sind für uns, als fünfköpfige Familie, natürlich nicht einfach mal so zu bewältigen. Zudem steht für mich natürlich ein kompletter beruflicher Neustart an. Da mein Mann jetzt als Alleinverdiener alles am Laufen halten muss, würde ich mich über eine kleine Spende unheimlich freuen, die zur Tilgung der Rechtsanwaltskosten beiträgt. Nicht weniger würde ich mich natürlich auch über ein aktives Teilen meiner Aktion freuen, denn für mich zählt jede Hilfe gleichermaßen viel.
Euch allen alles Gute und danke für die Unterstützung, Carina!! ❤️