Mein Name ist Jan. Seit meinem 16. Lebensjahr lebe ich nach einem Arbeitsunfall mit einer hohen Querschnittlähmung. Ich bin Tetraplegiker und dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen. Viele Jahre habe ich versucht, mein Leben trotz aller Einschränkungen so aktiv, verantwortungsvoll und selbstbestimmt wie möglich zu gestalten. Doch mein Körper zwingt mich inzwischen in die Knie.
Vor sieben Jahren entschied ich mich für einen Elektrorollstuhl, in der Hoffnung auf mehr Freiheit. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Die fehlende Bewegung, ständige Schmerzen und die vollständige Abhängigkeit von Technik, die nicht zuverlässig funktioniert, haben meinen Körper über die Jahre an den Rand gebracht. Ich habe stark an Gewicht zugenommen, am Ende 117 Kilogramm. Jede Erkältung wurde für mich zur Gefahr, oft zur Lungenentzündung. Ich bewege mich seit Jahren an der Grenze dessen, was mein Körper aushalten kann.
Seit vier Monaten kämpfe ich täglich mit rund 300 Kalorien pro Tag und etwas Armtraining, um wieder in einen Activ-Rollstuhl wechseln zu können. Es ist kein leichter Kampf. Die Schmerzen rauben mir oft den Schlaf, manchmal komme ich auf kaum drei Stunden am Tag. Der Winter verschärft alles. Ich friere ununterbrochen und habe die Heizung so hoch gestellt, dass man glaubt, ich sitze in einer Sauna. Trotzdem wird mir nicht warm. Mein Körper ist erschöpft.
Am 20. November 2025 erhielt ich dann den Bescheid, der mir den Boden unter den Füßen wegzog: Die Berufsgenossenschaft lehnt meinen Antrag auf einen Activ-Rollstuhl ab. Begründung: Ich hätte bereits zwei Elektrorollstühle. Dass einer defekt ist und der andere seit dem ersten Tag ein Totalschaden, der unkontrolliert fährt oder einfach stehen bleibt und dessen Akkus kaum halbe Reichweiten schaffen, spielt dabei keine Rolle. Für mich bedeutet das weiterhin Unsicherheit, Stillstand, gesundheitliche Risiken und eine Lebensqualität, die kaum noch diesen Namen verdient.
Diese Entscheidung trifft mich auch deshalb so hart, weil sie mir eine weitere Hoffnung nimmt: die Möglichkeit, nach über dreizehn Jahren endlich wieder einmal in ein warmes Land zu reisen. Mit einem Elektrorollstuhl nehmen mich weder Fluggesellschaften noch Reedereien mit. Ohne Activ-Rollstuhl bin ich praktisch von jeder Reise ausgeschlossen. Und selbst wenn eine Reise theoretisch möglich wäre, stehe ich vor dem nächsten Hindernis: Meine Assistenz, die ich rund um die Uhr benötige, wird im Falle eines Urlaubs nicht unterstützt. Ich brauche drei Assistenten pro Tag, sonst findet kein Alltag statt. Doch ich müsste für eine Reise sämtliche Kosten für alle drei selbst tragen. Das ist für mich vollkommen unmachbar. Damit wird mir nicht nur Mobilität im Alltag, sondern auch jede Form von Erholung und gesundheitlicher Entlastung verwehrt.
Diese Belastungen haben weitere Folgen. Ich muss bis zum Jahresende all meine Ehrenämter niederlegen. Mit größtem Bedauern gebe ich mein Amt als Vorsitzender des Behindertenbeirats der Stadt Limburg an der Lahn auf. Ich habe dieses Amt mit Herzblut ausgeführt, aus Überzeugung und aus Respekt vor den Menschen, die mir ihr Vertrauen gegeben haben. Doch mein gesundheitlicher Zustand erlaubt es mir nicht mehr, ihnen die Aufmerksamkeit und Energie zu schenken, die sie verdienen. Der Alltag überrollt mich. Die Schmerzen bestimmen oft, was ich schaffe und was nicht.
Ich kämpfe seit 38 Jahren mit diesem Leben. Es gibt gute Tage und solche, an denen man einfach nur schreien oder weinen möchte. Ich beklage mich selten, und Jammern liegt mir fern. Ich will kein Mitleid. Dafür bin ich zu stark. Ich höre hin, wenn andere längst abgeschaltet haben. Ich suche nicht nach Gründen, warum etwas nicht geht, sondern packe an – mit den Menschen, die mich begleiten, oder allein. Mich fallen zu lassen ist schwer. In den letzten elf Jahren ist mir das nur zweimal gelungen, bei Menschen, die mir so tief ans Herz gewachsen sind, dass Vertrauen möglich war. Für den Rest meines Lebens galt immer: Friss alles in dich hinein, dann kann dir niemand weh tun.
Doch jetzt stoße ich an Grenzen, die ich allein nicht überwinden kann. Die Ablehnung des Rollstuhls, die Unsicherheit, die Gefahren, die Schmerzen, der Schlafmangel, die körperliche Erschöpfung – all das macht müde. Und heute, mehr als sonst, bin ich verzweifelt.
Was mir bleibt, ist die Hoffnung auf einen Activ-Rollstuhl. Er würde mir Stabilität geben, Bewegung ermöglichen, meinen Körper entlasten und vielleicht verhindern, dass meine Gesundheit weiter abrutscht. Er würde mir wieder sichere Mobilität geben und endlich ermöglichen, eine Reise antreten zu können, ohne an Grenzen zu scheitern, die nur aus Bürokratie und Technik bestehen.
Der benötigte Activ-Rollstuhl mit kraftverstärkenden Rädern und Vorspannbike kostet 25.000 €. Diese Summe kann ich nicht allein aufbringen. Deshalb bitte ich um Unterstützung. Jeder Beitrag, egal wie groß oder klein, hilft mir, wieder ein Stück Leben, ein Stück Freiheit und ein Stück Gesundheit zurückzugewinnen.
Ich danke jedem, der mich auf diesem Weg unterstützt und mir hilft, nicht aufzugeben.