Drei Monate noch…
Diese Worte stehen im Arztbrief meines Vaters.
Drei Monate noch…
Diese Worte stehen in meinem Mutterpass.
Drei Monate – eine Zeitspanne, die für das eine Leben einen Anfang bedeutet und für das andere das Ende.
Mein Vater ist 66 Jahre alt. Vor vier Jahren kämpfte er gegen den Lymphdrüsenkrebs, durchlebte Chemotherapien, Operationen, Hoffen und Bangen.
Er gewann.
Im Dezember 2024, nach der letzten Chemo, war das Kapitel abgeschlossen – dachte er.
Zum ersten Mal seit Jahren wagte er, nach vorne zu blicken. Er gönnte sich einen kleinen Urlaub, atmete auf, fühlte sich wieder wie er selbst. Und dann kam die Nachricht, die alles überstrahlte: Er würde Opa werden.
Noch nie habe ich meinen Vater so stolz gesehen. Nach eigenen schweren Schicksalsschlägen durfte ich endlich ein gesundes Kind erwarten. Ein kleines Mädchen. Sein größter Wunsch? Mit in den Kreißsaal, seine Enkelin im Arm halten, sie kennenlernen.
Doch nun läuft die Zeit gegen ihn.
Eine extrem seltene Viruserkrankung – PML – frisst sich durch sein Gehirn. Eine Krankheit, für die es kaum Hoffnung gibt. Eine Krankheit, die ihm genau das nimmt, was er sich so sehr wünscht: Zeit.
Er sagt es jeden Tag, unter Tränen: „Ich will nicht sterben.“
Es gibt eine letzte Chance. Eine Therapie, die noch nicht zur Standardbehandlung gehört. Eine Möglichkeit, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten – ihm Zeit zu schenken. Doch sie ist teuer. Sie wird kaum von den Krankenkassen übernommen. Und die Wochen vergehen.
Mein Vater hat nie aufgegeben. Nicht damals, als er gegen den Krebs kämpfte. Nicht jetzt, wo er sich mit aller Kraft an das Leben klammert.
Und während ich die Bewegungen meines Kindes in mir spüre, frage ich mich, ob mein Vater sie je in den Armen halten wird.
Drei Monate. Drei Monate zwischen Leben und Abschied. Zwischen Hoffnung und Angst. Zwischen dem ersten Atemzug eines neuen Lebens – und dem vielleicht letzten eines geliebten Menschen.
Freude und Leid liegen nah beieinander. Manchmal entscheiden nur kleine Dinge, welches von beiden gewinnt.
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Progressive Multifokale Leukenzephalopathie (PML)
Häufigkeit – Die PML ist eine sehr seltene, schwerwiegende und potenziell lebensbedrohliche Virusinfektion des Gehirns. Genaue Zahlen zur Häufigkeit existieren nicht. Als Ursache für die Entwicklung einer PML wird ein geschwächtes Immunsystem angesehen. Dies kann dazu führen, dass das grundsätzlich harmlose humane Polyomavirus 2 (HPyV-2; auch John Cunningham Virus, JCV, genannt) eine schwere Gehirnentzündung auslöst.
Symptome – Die Symptome sind sehr vielgestaltig, da die Erkrankung alle Regionen des Gehirns betreffen kann. Häufig sind Sprachstörungen, Minderung der geistigen Leistungsfähigkeit, Sehstörungen oder halbseitige Lähmungen.
Diagnose – Eine definitive PML kann diagnostiziert werden, wenn sich neben den klinischen Symptomen und typischen Veränderungen in der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) des Gehirns das humane Polyomavirus 2 entweder im Nervenwasser oder mittels Entnahme einer Gewebeprobe des Gehirns (Hirnbiopsie) nachweisen lässt.
Behandlung – Das Hauptziel der Therapie besteht darin, auslösende Faktoren zu entfernen und das Immunsystem so wiederherzustellen, dass es das Virus erfolgreich bekämpfen kann.
Wichtig zu beachten – Die PML tritt nahezu nur bei Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem auf und hatte lange eine sehr schlechte Prognose. Mittlerweile liegen vielversprechende experimentelle Behandlungsansätze wie die sogenannte virusspezifische T-Zell-Therapie von Fremdspendern sowie die Anti-PD-1-Antikörper-Therapie vor.