Ich bin Melanie, mittlerweile 44 Jahre alt und liebe das Leben; nicht nur meins sondern auch sämtliches Leben um mich herum, vor allem aber das in meinem Garten. Ich habe einen Sohn, der mittlerweile 23 Jahre alt ist, den ich allein-erziehend beim Aufwachsen begleiten durfte. Mit 21, neben Kind und Haushalt noch eine Ausbildung gemacht und im Anschluss habe ich die 40 Stnd Woche als Zahntechnikerin gestämmt. Wie das eben so ist, wenn man mit Kind alleine über die Runden kommen muss.
Viel zu früh, Schon mit 10 Jahren war mein Sohn damit konfrontiert, dass seine Mama nicht selbstverständlich ist, als ich die Diagnose Enddarmkrebs bekam. Es folgten Verlust- und Existenzängste bei mir und ihm, die ich kaum von ihm fern halten konnte. Chemo und Bestrahlung rückten zwar dem Krebs erfolgreich zu Leibe, verursachten jedoch Verbrennungen 3. Grades im gesamten Bereich des "kleinen Beckens" bis Hälfte Oberschenkel. Es war zunächst offenes "rohes" Gewebe und vernarbte dann schlimm. Wie außen so auch innen. Der Unterleib innen war ebenso verbrannt und vernarbt wie der komplette Darm und auch sämtliche Venen und Arterien im therapierten Bereich. In der Folge kam es 2019 zu einem Darmbruch mit Sepsis, den ich gerade so überlebt habe, jedoch nun mit künstlichem Darmausgang und neuen narbenbedingten Baustellen wie etlichen Thrombosen und Arterienverschlüssen. Viele OPs innerhalb eines halben Jahres führten zu absoluter Bettlägerigkeit, sodass ich sogar neu laufen lernen musste. Zunächst am Rollator. Wieder Auto-fahren-können ging dann schneller als das eingeschränkte Storchenhafte Laufen am rollator. Innerhalb von 4 Jahren kämpfte ich mich komplett zurück in ein überwiegend eigenständiges Leben und konnte auch wieder normal Laufen. Zwar nie weit, aber es ging. Nun machten zunehmend die Stents in den Beinen Probleme und führten zu Schmerzen und Verschlüssen, die sie ja eigentlich verhindern sollten.
Ende Juli '25 wurde ich durch die Sorge von Nachbarn bei klarem Verstand richterlich entmündigt und meine Beine wurden mir ohne Berücksichtigung der Patientenverfügung, gegen meinen Willen, zwangsamputiert. Selbst das gewaltsame Holen aus der Wohnung, ohne Anwesenheit eines Arztes oder Gutachters, war richterlich angeordnet, obwohl es keine Gegenwehr gab. Immer noch habe ich mit dieser Vorgehensweise seelisch mehr zu tun als mit dem Verlust der Beine selbst. Wenn man nun denkt, dass das rechtsstaatliche und soziale Gefüge nach so einer richterlichen Entscheidung zumindest die Haftung für die Folgen übernimmt, dann täuscht man sich. Man steht mit wirklich allem allein da. Muss sich um alles behördliche ebenso allein kümmern wie darum wie man zum Arzt kommt etc. Auf beantragte notwendige Hilfsmittel wartet man Wochen bis Monate. Eine Toilettenmöglichkeit habe ich beispielsweise erst 6 Wochen nachdem ich bereits aus dem Krankenhaus zu Hause war, bekommen. Auf einen Badewannenlift warte ich immer noch, habe also schon fast 2 Monate keine Möglichkeit zu duschen.
Aus meiner Wohnug komme ich auch immer noch nicht raus, weil der Hausflur eine Treppe zum Erdgeschoss hat und zusätzlich unüberwindbare Stufen ab der Haustür. Auch dafür gibt es Hilfsmittel, die verordnet und beantragt sind, jedoch nicht geliefert werden. Dass ich nicht raus kann, ist das schlimmste für mich, da ich ein absoluter Gartenmensch bin, der dort auch immer im Regen zu tanzen wusste. Trotz allem hat man mich nun nach der Amputations-OP von Pflegegrad 3 auf 2 runter gestuft, was zusätzlich dafür sorgt, dass viel weniger Geld für die Pflege und Hilfe zur Verfügung steht; Fahrdienste zu Ärzten bekomme ich nun auch nicht mehr.
Selbst wenn die Mühlen des Pflegesystems zukünftig schneller mahlen und ich nötige Hilfsmittel erhalte, wird für mich mein Garten länger fristig nicht erreichbar sein. Auch meine Mutti, die in knapp 100 km Entfernung in einem Pflegeheim lebt, werde ich lange nicht besuchen können. Das fehlt mir sehr.
Mein Auto, dass ich liebe und vor 2 Monaten noch gefahren bin, ist 17 Jahre alt, was einen behinderten gerechten Ausbau erschwert. Rücklagen für den Kauf eines entsprechend gebrauchten KFZ sind nicht vorhanden. Förderungen für derartige Hilfen bekommt man nur, wenn man das KFZ zum Arbeiten braucht. Da ich wegen voller Erwerbsminderung berentet bin, kommt also auch das für mich nicht in Frage.
Ich bin hoch motiviert, lerne jeden Tag, auch ohne Hilfsmittel etwas neues, aber manches geht eben nur mit Dingen, die sich von meiner schmalen Rente nicht finanzieren lassen. Da dachte ich, ich versuche es mal hier. Vielleicht kann mir das Mitgefühl und Verständnis einiger Menschen ermöglichen, irgendwann wieder mit dem Auto in meinen Garten zu kommen. Ich wäre von Herzen dankbar und bin es schon nur dafür, dass es für viele Menschen die Möglichkeit über diese Plattform gibt, nach Hilfe zu fragen, obwohl die Scham, um Geld zu bitten, auch bei mir eine Rolle spielt.
An dieser Stelle ein großes "Danke für Nichts" an die #Charité, die schlimmste und übergriffigste Klinik, die ich je erlebt habe, und vor allem an den #Rechtsstaat, in diesem Fall dem #Amtsgericht Lübben. Meine tiefste menschliche und moralische #Verachtung gilt allerdings den weiblichen Polizisten, die mich zu "meinem Wohl" aus der Wohnung auf nackten Füßen, untergehakt die Treppenstufen runter geschliffen haben, obwohl die Bare des Rettungsdienstes sichtbar und einsatzbereit vor der Tür stand! "Freund und Helfer" ?! Das war einmal...