Unendliches Elend von Generation zu Generation? Lasst uns die Kette durchbrechen!
Stefanie und Natalie bitten um Hilfe
"Wir kämpfen und rackern und doch schaffen wir es nicht. Demütig bitten wir euch um eine Chance, einen kleinen Beitrag, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen – im Namen unserer Familie, im Namen des Mitgefühls und sozialer Gerechtigkeit.
Dank von Herzen."
Stefanie und Natalie
Nicht alle Probleme können von staatlicher Seite gelöst werden. Es bedarf persönlichen Engagements und des Mutes, das Leben immer wieder in den Griff zu bekommen. Stefanie und Natalie sind Versehrte und doch Kämpferinnen. Das Leben hat ihnen übel mitgespielt und doch geben sie sich nicht der Verzweiflung anheim. Aus Pflicht und Liebe für ihre Familie versuchen sie einen Neustart und bitten um Unterstützung.
Der folgende Text entspringt schierer Not und doch versuchen Natalie und Stefanie, so detailliert wie möglich ihr Leid aufs Papier zu bringen. Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit ihres Anliegens stehen an erster Stelle für sie. Die beiden Frauen bitten um Ihre/eure Aufmerksamkeit und danken für die Zuwendung.
Wir sind Stefanie und Natalie und sind seit 7 Jahren ein Paar. Wir haben uns, für die jetzige Zeit ganz typisch, über das Internet kennengelernt.
Wir haben beide je 2 Kinder (20, 17, 15, 14) und 2021 kam unsere gemeinsame Tochter zur Welt.
Wir wohnen seither in einem kleinen mittelfränkischen Dorf. Stefanie arbeitet als Altenpflegefachkraft, Natalie war bis zur Geburt unserer Tochter in der Familienhilfe und als Sozialcoach tätig.
Die Familie von Stefanie wohnt ebenfalls in der Nähe. Gerade meine Mutter braucht viel Unterstützung und Pflege unsererseits, durch verschiedene Erkrankungen sind Teile des Fußes gelähmt, das Gehen kann nur unter größter Mühe und Anstrengung erfolgen und auch sonst sind wir trotz der drei weiteren Geschwister von Stefanie die Einzigen, die ständig da sind, helfen, wo es gerade geht, und viele Aufgaben übernehmen. Haushaltsführung, Einkaufen, Arztbesuche, Freizeitgestaltung… auch der ledige Onkel, körperlich zwar noch fitter, aber in manchen Bereichen eben auch auf Hilfe „angewiesen“, wir machen das gerne. Es bleibt jedoch nicht viel Zeit fürs Private übrig.
Auch unsere Kinder benötigen alle große Unterstützung. Die 14-Jährige hat ein Lernproblem und benötigt eine intensive Betreuung bei den Hausaufgaben, auch bei der Körperpflege, Pflege von Freundschaften, Anleiten von Aufgaben, Übernahme von Aufgaben. Der 15-Jährige hat ein sehr ausgeprägtes ADHS, braucht große Anleitung und Hilfestellung, ja manchmal auch Übernahme „einfacher“ Tätigkeiten und befindet sich aktuell in einer schwierigen Entwicklung, testet seine Grenzen aus, kennt keine Gefahren und bringt uns und sich selbst manchmal in brenzlige Lagen.
Der 17-Jährige ist letztes Jahr ausgezogen, macht derzeit eine Ausbildung, und hat auch sein Päckchen zu tragen. Eine Therapie wurde begonnen und auch im Sozialen benötigt er weitgehend externe Unterstützung. Der Kontakt war die letzten Monate sporadisch, wurde jedoch die letzten Wochen mehr, er kann einige Dinge nun reflektieren. Ob es besser wird, warten wir ab, erst vor 3 Wochen wurde er aus seiner Gruppe geworfen, u.a. wegen fehlender Mitarbeit, eine zweite Chance hat er bekommen, nun konnte er wieder zurück und seine Ausbildung wieder aufnehmen. Glück gehabt! Wir hoffen, er nutzt sie.
Der 20-Jährige hat die Schule zu Beginn der 8. Klasse verlassen und diese auch nicht mehr besucht. Obwohl er den Mittleren Bildungsabschluss angestrebt hatte, schaffte er es nicht mehr, die Schule zu besuchen. Einen Abschluss hätte er ohne große Anstrengung geschafft. Er fand eine Ausbildungsstelle, in die Arbeit ging er sehr gerne, es gab keine Klagen, die Berufsschule konnte er trotzdem nicht besuchen. Nach über neun Monaten wurde er gekündigt, hat die Ausbildung verloren. Perspektiven wären vorhanden, die Umsetzung fällt ihm jedoch sehr schwer. Er war seit Jahren kein klassischer Teenager, eher ein zu groß geratener Jugendlicher, der älter wirkt, als er ist. Motiviert ist er, doch bräuchte er einen guten Start, eine Tätigkeit, bei der er akzeptiert und geschätzt wird.
Auf einem Bauernhof würde er gerne arbeiten, ohne Traktorführerschein ist das jedoch fast unmöglich. Er bekam die Möglichkeit, hat sich den Job selbst gesucht, 2,5 Monate, sollte einen Arbeitsvertrag bekommen, Förderung vom Arbeitsamt incl. Übernahme der Kosten für den benötigten Führerschein, dann war er krank. Es kam kein Arbeitsvertrag, Geld auch keines, nur eine Nachricht übers Handy, er brauche nicht mehr kommen. Die Förderung war Geschichte.
Für einen Menschen, der Probleme hat, der sich nicht einfach so traut, Fremde anzusprechen, irgendwo hinzugehen, wo er keinen kennt, wo man nicht weiß, wie die Leute sind, ob sie einen verurteilen oder als Versager abstufen, macht das die Sache nicht leichter.
Sein größtes Ziel war immer, mit 18 Jahren Auto zu fahren, ja wir haben ihn rechtzeitig angemeldet, er hat begonnen dort hinzugehen, Fahren durfte er erst, wenn er die theoretische Prüfung bestanden hat, dann war lange Pause -FahrSCHULE- auch hier schaffte er es über Monate nicht, seine 3 Doppelstunden fertig zu machen.
Viele Telefonate mit dem Fahrlehrer, viele Gespräche unserer Seite und der Zeitdruck, dass alle bereits absolvierten Stunden an Gültigkeit verlieren würden, seit April 2024 fährt er Auto.
Jetzt möge man denken, es wäre kein Problem, ihm einen Führerschein zu bezahlen, damit er mehr Chancen hat, in einen Beruf abreiten zu können, der ihm Spaß macht und er gern hin geht.
Wäre da nicht der Januar 2024 gewesen.
Ich, Stefanie, bekam immer zum 01. des Monats meine Abschlagszahlung, den Rest am 15., neue Regelung, wenn man bei der Zeitarbeitsfirma arbeitet. Warum ich das gemacht habe? Da ich bereits während meiner Ausbildung gesagt habe, dass ich in keinem Pflegeheim mehr arbeiten möchte, zumindest nicht in Festanstellung. Ich war während meiner Ausbildung in der ambulanten Intensivpflege beschäftigt.
Die Verdienstmöglichkeiten waren jedoch zur damaligen Zeit begrenzt, darum mein Wechsel – nach dem Abschluss – zur Zeitarbeit, so konnte ich einerseits meinen Dienstplan mitbestimmen und zum anderen war ich auch unabhängig, was Urlaub und freie Tage angeht. Auch muss man nicht zwangsläufig einspringen, wenn Personal fehlt. Dies war die eigene Entscheidung. Auch mein Chef war echt super und der Verdienst wesentlich attraktiver.
Dann kam, wie gesagt, der Januar 2024, eigentlich sollte bereits Silvester meine Abschlagszahlung auf dem Konto sein. Auf Nachfrage bei meinem Chef, teilte er mir mit, er würde sich drum kümmern und dass das nicht sein dürfte, der Lohn sollte drauf sein. Meine Zwillingsschwester arbeitete ebenfalls seit ein paar Monaten bei meinem Chef.
Am 02. Januar kam dann der Anruf, unter Tränen und fast ohne Stimme wurde mir erklärt, dass die Firma Insolvenz anmelden muss. Ein großer Auftraggeber konnte seinen Zahlungen nicht mehr nachkommen und die Zeitarbeitsfirma war pleite.
Auch Natalie arbeitete auf Minijobbasis hier und war die rechte Hand unseres Chefs.
Was blieb uns nun anderes übrig, als kurzerhand Bürgergeld zu beantragen? Ein Antrag auf Insolvenzgeld wurde gestellt, jedoch würde dies viele Monate dauern, bis das abgeschlossen ist.
An dem Tag, als Natalie den Antrag und die Unterlagen beim Jobcenter abgeben konnte, hatte ich einen kleinen Routineeingriff, tja dieser verlief alles andere als gut, aus einem zuvor geplanten Aufenthalt von einer Nacht, wurden ganze acht Nächte, Bauchspeicheldrüsenentzündung! Hätte man mir vorher gesagt, dass dieser Fall eintreten könnte, dann wäre die OP keine Option für mich gewesen.
Der Antrag wurde dann recht schnell bearbeitet und bereits am Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus, konnten wir den Bescheid in Händen halten. Knapp 2.200€ weniger als bisher, jeden Monat. Und das noch bis mindestens Mitte Februar, weil wir bis dahin ja noch beschäftigt waren, aber von der Arbeit freigestellt.
Wir haben dann bis Mai 2024 Bürgergeld erhalten, ich habe bereits im April wieder zu arbeiten anfangen können. Alle Gelder, die wir im Nachhinein ausbezahlt bekommen hätten, wurden für alle Monate vom Jobcenter einbehalten. Sowohl das Insolvenzgeld wie auch das Arbeitslosengeld, und als ich Ende April für zwei Wochen Krankengeld erhalten habe (Auszahlung irgendwann im Mai) wurde sogar dies einbehalten.
Das Schlimme daran: Die Auszahlung für Mai wurde von uns auf Darlehensbasis angefragt, mit einer monatlichen Rückzahlung. Dies wurde bewilligt, trotzdem wurde das Krankengeld nicht ausbezahlt. Das heißt, mir fehlten im Mai wieder knapp 1.800€. Nach all den Monaten und nach all den endgültigen Berechnungen, haben wir immer noch einen Rückstand von knapp 2.000€ beim Jobcenter.
In der Zeit haben wir unseren laufenden Kredit gestundet und uns einige Tausend Euro von Stefanies Familie geliehen. Heute, Oktober 2024, kommen wir nicht mehr über die Runden, unsere angestauten Zahlungen fressen Stefanies Lohn, den Rückstand vom Jobcenter konnten wir noch nicht bedienen, eine Ratenzahlung muss vereinbart werden, das Prekäre daran, wir müssen drei Raten vereinbaren und können keine Rückzahlung auf die ganze Summe anstreben. Wieso? Weil jede volljährige Person eine eigene Rechnung und somit eine eigene Rückzahlung leisten muss. Stefanie, Natalie und unser 20-Jähriger müssen getrennt voneinander tilgen.
Natalie könnte seit September wieder zu arbeiten beginnen, die Kleine ist im Kindergarten, das ist jedoch auf dem Land schwierig, die Betreuungszeit ist nicht gerade umfangreich, den 15-Jährigen kann man nicht alleine zu Hause lassen. Selbstständigkeit wäre eine Option, jedoch keine kurzfristige Lösung.
Eine Ausbildung würde sich Natalie wünschen, Teilzeit ist hier bei uns jedoch unmöglich. Also was bleibt? Zurück in den erlernten Beruf, als Kinderpflegerin in den Kindergarten der Tochter, drei Tage die Woche, während die Kleine ebenfalls dort ist. Nicht gerade der Traumjob, jedoch kurzfristig ein vertretbarer Kompromiss. Verdienstmöglichkeiten eher bescheiden, weniger als das derzeitige Arbeitslosengeld I. Sprich, vom Regen in die Traufe.
Lösungen gibt es keine kurzfristigen, eine Umschuldung (incl. Geliehenen) wäre denkbar, jedoch Aufgrund des neuen Arbeitgebers aktuell nicht möglich. Kosten reduzieren, einsparen, wo es gerade geht, viele Verträge haben noch Laufzeiten von einem Jahr oder länger, wir versuchen unser Bestes. Unterm Strich macht das ca. 120,-€ monatlich, ein Tropfen auf den heißen Stein. Und wenn dann ein kleines bisschen extra Geld kommt, brauchen wir neue Bremsen, ist der Öltank leer oder sonst eine unerwartete Zahlung oder die Klassenfahrt des 15-Jährigen, die geleistet werden muss. Unsere Ersparnisse haben wir bereits aufgebraucht.
Unseren jährlichen Urlaub konnten wir heuer nicht umsetzen, okay schade, aber konnten wir 2 Jahre wegen Corona auch nicht, Geburtstagsgeschenke gab es fast keine und Weihnachten wird ähnlich aussehen. Für uns zwei ist die Situation sehr schlimm, da wir gerade keinen Ausweg aus diesem Schlammassel sehen, die Kinder begreifen es nicht wirklich. Schlafen kann man nachts kaum noch, das Gedankenkarussell dreht sich, keine Lösung in Sicht.
Was bleibt? Rumsitzen und warten? Nein, das sind wir nicht, wir rudern weiter und geben die Hoffnung nicht auf.
Dank euch.