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Die Chance auf ein friedliches Leben


Hallo mein Name ist Alex,

ich bin 36 Jahre alt und lebe mit meiner Freundin Sarah, 29 Jahre alt, zusammen in der Mitte Deutschlands. 

Sarah kam im Dezember 2018, als Geflüchtete aus dem Iran nach Deutschland. Ich selbst bin in einer jüdischen Familie, mit ungarischen Wurzeln, aufgewachsen. Wir beide haben uns auf Anhieb verliebt und seither nicht mehr von einander losgelassen. 

Mit dieser Aktion möchte ich unsere Chance auf ein friedliches Leben retten und würde mich sehr freuen, wenn einige Menschen unsere Geschichte lesen würden.

Ich habe den größten Teil meines Berufslebens, als Live und Studio Schlagzeuger, für diverse Bands und Musiker gearbeitet. Nebenbei habe ich an einigen Musikschulen Schlagzeugunterricht gegeben. 

Sarah ist ein multilinguales Allround Talent, spricht vier Sprachen fließend, hat schon im Alter von 13 Jahren, heimlich eigene Roboter gebaut und programmiert und werde nie vergessen, wie sie eines Tages, zum Spaß an der Freude, an einem Verkaufstag bei der Bank, für die ich tätig war, ungeschult und mit gebrochenem Deutsch, den Tagessieg im Verkauf errungen hat, ohne jemals eine Schulung mitgemacht zu haben. Sie hat einfach kopiert, was die anderen machten.

Ich habe das große Glück den beachtlichen Menschen an meiner Seite zu haben, der mir jemals über den Weg gelaufen ist.

Jetzt möchte sie gerne eine Ausbildung zur Automatikgetriebe Mechatronikerin machen.

Finanziell bin ich immer gut über die Runden gekommen, da ich nie viel gebraucht habe, um glücklich zu sein und darüber hinaus das Instrument mein Leben ausgefüllt hat. Im Juli 2018 habe ich mir neben drei Bandscheibenvorfällen eine Fraktur an der Halswirbelsäule zugezogen. Ich gehöre zu den wenigen Fällen, die eine solche Verletzung nicht nur überlebt haben, sondern auch noch mit minimalen Folgeschäden überstanden haben. 

Ich habe zunächst noch weiter in meinem Beruf gearbeitet, musste aber nach und nach feststellen, dass ich nicht mehr so ausdauernd schlagzeugspiel konnte, wie es für mich erforderlich gewesen wäre. Langsam fing ich an mich in Richtung Verkauf und Vertrieb umzuorientieren und habe das Musikmachen im November 2019 endgültig aufgegeben. 

Mein Plan war es, nach einer lukrativen Weihnachtskampagne, für einen großen Mobilfunkanbieter, mit etwas Sicherheit im Rücken, eine freiberufliche Tätigkeit im Auftrag einer Bank anzutreten. 

Kurz zuvor habe ich Sarah, die Liebe meines Lebens, kennengelernt und durfte von da an, trotz aller tragischen Ereignisse, die noch auf uns warten sollten, die schönste Zeit meines Lebens leben.

Eine Zeit lang sah so aus, als würde der geplante Neustart ein voller Erfolg werden.

Leider war dies nur von kurzer Dauer.

Am 06.01.2020, kam es zu einem Tötungsversuch an meiner Freundin Sarah, den sie beinahe nicht überlebt hätte. 

Auf Grund unserer Liebe, sollte Sie von ihrem Bruder, im Beisein ihrer Mutter, mit einem Gürtel erhängt werden, da sie die Familie verraten und deren Zukunft zerstört habe.

Befreit wurde sie an diesem Abend nur, da sie mit den Füssen genügend Lärm machen konnte, um die Nachbarn auf sich aufmerksam zu machen. 

Allerdings hat sich an diesem Tag alles verändert und es folgten fast zwei Jahre voller Leid und Angst, besonders für Sarah.

Der ursprüngliche Plan der Familie war, Sarah nach England zu verheiraten, um dem größeren Bruder so ein Studium dort zur ermöglichen. Durch eine Hochzeit hätten alle Familienmitglieder dort leben können. Was Fahrrad zu dem Zeitpunkt nicht wusste ist, dass damals schon das Familienasyl abgelehnt worden war und man bereits in zweiter Instanz klagte.

Die Familie ist sehr gut vernetzt und es gab bereits Reisepläne über Griechenland, gefälschte Ausweise und ein Abreisedatum. 

Warum unsere Beziehung diesen Plan vereitelt hat, möchte ich nicht weiter ausführen, da es zu intim und nicht ausschlaggebend ist.

Da Sarah zu diesem Zeitpunkt nur eine Aufenthaltsduldung hatte und auf Grund der Wohnsitzauflagen, ihren gewöhnlichen Aufenthalt nicht in eine andere Stadt verlegen durfte, dazu keine Arbeitserlaubnis hatte und Corona inzwischen weitere Einschränkungen für uns mit sich gebracht hatte, befand sie sich völlig mittelos und ohne Hilfe, alleine in einer der größten Städte Deutschlands. 

Ich habe zu dem Zeitpunkt noch knapp 100 km entfernt gewohnt und bin von da an nicht mehr von ihrer Seite gewichen.

Einige Tage später habe ich eine Organisation gefunden, die Sarah in wechselnden, anonymen Frauenhäusern untergebracht hat, bis es zu entscheidenden Maßnahmen gekommen wäre. Ich habe fortan um diese Einrichtungen herumgelebt, im Auto geschlafen, auf Rastplätzen geduscht und mit einem Gaskocher gekocht. Ab und zu haben wir beide auch in Hotels oder einfach so im Schlafsack im Auto geschlafen. Ohne genau wissen zu dürfen, wo sie sich befindet und krank vor Sorge, haben wir jede einzelne Nacht, die wir getrennt von einander waren, zusammen am Telefon verbracht. Ich werde dieses beruhigende Atmen und das Rascheln der Bettwäsche mein ganzes Leben lang nicht vergessen. 

Meine Leistungen bei der Bank fielen rapide und oftmals musste ich abrupt abbrechen, um Sarah abzuholen, nachdem sie einen offiziellen Termin hatte.

Von Seiten der Polizei wurde uns geraten, dass sie nicht zu Fuss oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt unterwegs sein sollte. Sie bekam einen GPS Tracker und wurde von einem Shelter zum nächsten verlegt. Es kam zu mehreren, erfolglosen Gerichtsverhandlungen. Wir mieteten teilweise zwei Hotelzimmer gleichzeitig, hatten eine zweite Wohnung und haben am Ende beide im Auto oder in einer Kirche geschlaffen. Den größten Teil der letzten Rücklagen habe ich für Anwälte ausgegeben. 

Die Arbeit bei der Bank habe ich verloren und wäre da nicht die Corona Soforthilfe gewesen, hätten wir es nicht geschafft. 

Ich selber habe in dieser Zeit kaum noch essen können und ganze 25 kg Körpergewicht verloren. 

Auf Grund von Corona wurden Gerichtstermine verschoben und auch die Verlängerung ihres Aufenthaltstitels war so kaum möglich, sodass die Lage für Sarah immer aussichtsloser wurde, da sowohl Status und Fiktion abgelaufen waren und sie eigentlich in eine Flüchtlingsunterkunft gemusst hätte. Es drohte am Ende sogar die Abschiebung in den Iran. Es war eine sehr intensive Zeit, die mich stark überfordert und Sarah fast die Freude am Leben und ihren Verstand gekostet hat. 

Im Nachhinein kann ich sagen, dass für mich das allerschlimmste diese Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit waren. 

Ich habe in diesen Monaten alles an Ersparnissen verloren und eine Menge Schulden angesammelt, sodass es fast zur Beugehaft für mich kam.  

Alles drohte von allen Seiten einzubrechen und führte zu absoluter Ohnmacht.

Obwohl ich später eine Anstellung im Vertrieb eines großen Automobilclubs gefunden habe, war auch hier aufgrund der Pandemie nichts zu verdienen. Der einzige Vorteil war, dass wir immer an unterschiedlichen, belebten Orten sein konnten. Sarah hat immer im Auto gewartet, das inzwischen zu einer kleinen Wohnung geworden war. 

Ironischerweise kann man von Glück reden, dass am 6. Dezember 2020 ist das Haus, in dem ich eigentlich gewohnt habe, bis auf die Grundmauern abgebrannt und wir somit in ein anderes Bundesland umverteilt werden konnten. Geblieben sind nur noch die Sachen, die ich am Körper trug, oder im Auto hatte. Sarahs bescheidener Besitz ist genauso verbrannt. 

Sarah konnte ihren Namen ändern und hat inzwischen auch einen Aufenthaltstitel bekommen, nur arbeiten darf sie immer noch nicht. Dazu konnte sie ihren Namen ändern und es besteht eine Auskunftssperre, so dass wir jetzt einigermaßen in Sicherheit leben können. 

Wir haben uns auf dem Dorf eine tolle Wohnung gemietet und sind eigentlich froh, dass wir jetzt endlich so leben dürfen, wie andere Paare. Wir freuen uns auf jede Minute in Freiheit und ohne Angst miteinander. 

Wir haben uns über ebay kleinanzeigen nach und nach einem kleinen Haus stand zusammengetragen und sind stolz auf jedes einzelne Möbelstück und erlebten das Abholen der Dinge immer als kleines Abenteuer.

Ich hatte das große Glück, am Anfang diesen Jahres meinen absoluten Traumjob zu finden, der mich wieder sanieren könnte und mich vor der Insolvenz bewahren würde. Ich habe auch sehr erfolgreich und mit viel Freude angefangen zu arbeiten. 

Da ich in den letzten Monaten enorme Einbußen hatte und somit große Schulden angesammelt habe, brauche ich diesen Job unbedingt, um uns vor der nächsten Krise zu bewahren. Ich bin jetzt im Außendienst tätig und fahre im Durchschnitt 8000 bis 9000 km im Monat, um Kundenbesuche machen zu können. Der Verdienst ist gut und ich wäre sogar in der Lage, in zwei Jahren und mit der Hilfe eines anerkannten Schuldenberaters, schuldenfrei sein zu können. 

Viel Spielraum für Fehler gibt es allerdings nicht.

 Leider sollte es doch nicht so kommen. 

Vor einem Monat ist mein Auto mit einem Motorschaden liegen geblieben. Die Werkstatt kosten belaufen sich auf 6000 €. Es gibt für mich keine Möglichkeit, dieses Geld aufzutreiben. Erste Zeit konnte ich noch mit einem Leihwagen überbrücken, aber das sind einfach auf Dauer zu hohe Kosten, die mich noch weiter weg bringen von einer Reparatur meines Autos. 

Ich bin auf dieses Fahrzeug angewiesen, um arbeiten zu können. Da ich durch unsere Krise eine negative Bonität bekommen habe und das kaputte Fahrzeug durch eine laufende Finanzierung ermöglicht wird, habe ich keine Möglichkeit einen Ersatz zu finden und stehe jetzt unerwartet vor der Insolvenz. 

Eine Insolvenz würde für mich bedeuten, das ich nicht für mehr unser neues zu Hause und unsere neu erkämpfte Freiheit aufkommen und garantieren könnte und Sarah wieder eine große Unsicherheit oder Angst erfahren müsste, was das Schlimmste für mich wäre. Besonders jetzt, wo ihr Lachen und das Funkeln in den Augen langsam zurückkehren.

Den Schaden, den wir beide durch dieses gemeinsame Erlebnis erfahren haben, werden wir noch lange aufarbeiten müssen. Ich darf dieses zu Hause, ihre Sicherheit und diesen Job nicht verlieren. Ich möchte endlich an ruhiges und schönes Leben mit dieser außergewöhnlichen Frau führen. Und vor allem möchte ich für Sarah eine Basis schaffen und die Sicherheit geben, um ihr Trauma bewältigen zu können. Das hat sie sich verdient. Ich habe durch diese Frau also tiefen Liebe erfahren und die schönste Zeit meines Lebens mit ihr verbracht. 

Ich habe lange überlegt, ob ein spendenaufruf angebracht ist und mich jetzt dafür entschlossen, da ich keine andere Möglichkeit sehe. Alleine werden wir es nicht schaffen. Es ist fast schon zynisch, das ist am Ende an einer verhältnismäßigen Lappalie wie einem Motorschaden scheitern könnte.

Es kann jetzt einfach nicht zu Ende sein.

 

Ich danke jedem der sich die Zeit genommen hat, meine Zeilen zu lesen.

 

Herzliche Grüße,

Sarah und Daniel



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