Beisetzung eines Ukrainer, Vater, Opa und Freund

Beisetzung eines Ukrainer, Vater, Opa und Freund | Spenden sammeln
 
 

Wir sind gerade sehr verzweifelt... 

Ich und mein Ehemann wollten und haben uns am 01.11.2021 das Ja Wort gesagt. Mein Ehemann Deutscher Abstammung. Ich persönlich bin in der Ukraine aufgewachsen. 

Aber kurz von vorne: 

Nach mehreren Umwegen habe ich den Weg vor ca. 10 Jahren nach Deutschland gefunden, da es schon immer mein Ziel war, meinen Eltern einen besseren Lebensstandart zu bieten und Ich Sie gerne Finanziell unterstützen wollte. 

Wie bereits beschrieben, habe ich hier meinen Jetzigen Ehemann kennen gelernt.

Und natürlich möchte ich wie jede Tochter auch gerne meine Eltern bei der Hochzeit bei sich haben, damit mein Vater Sie zum Altar führt. 

Der Vater hatte sich aber nach der Einladung geweigert aus der Ukraine nach Deutschland zur Hochzeit zu kommen, da er schon seit mehreren Wochen einen Husten hatte und er sich in der "damaligen" Corona Pandemie für seine Hustenanfälle geschämt hatte und nicht komisch angeguckt werden möchte. 

Nach langen Diskussionen und Tränen haben wir einen Kompromiss gefunden, dass wenn er schon nicht zur Hochzeit kommt, sich wenigstens in der nächstmöglichen spezifischen Lungenklinik in Winnyzjea (Ukraine) welche eine Fahrt von Ca. 1,5Stunden entfernt ist, behandeln lässt. Ohne ein persönliches Auto musste die Fahrt über mehrere Umwege organisiert werden. 

Ein paar Tage vor unserer Hochzeit kam dann die erschreckende Diagnose, dass mein Vater an Lungenkrebs erkrankt ist. 

Leider musste ich meine Hochzeit ohne meinen Vater "feiern". 

Die Flitterwochen haben wir natürlich nicht angetreten.

In den kommenden Wochen und Monaten haben wir mehrere Arzttermine organisiert. Da das Gesundheitssystem in der Ukraine aber leider nicht so koordiniert abläuft, wie bei uns und alles sehr schleppend vorwärts geht, mussten wir erst höhere Geldbeträge in die Ukraine überweisen und diese müssen dann dort erst ankommen, abgehoben werden und beim Arzttermin in Bar bezahlt werden oder teilweise in voraus bezahlt werden, wie auch die Medikamente und weitere bedürftige Sachen. 

Dieses hat sich über mehrere Wochen so lange gezogen, dass mein Vater am 24.02.2022 endlich seine Voruntersuchung für seine erste Chemotherapie antreten durfte. 

Er hat sich also nachts alleine auf den Weg gemacht, da er schon um 6:00 Uhr morgens seinen Termin hatte. 

Dort angekommen und nach einer 2Stündigen Wartezeit wurde ihm mitgeteilt, dass er bitte wieder Nach Hause fahren soll, da Sie die Krankenhäuser frei lassen müssen, weil es offiziell war, dass in der Ukraine der Krieg ausgebrochen ist! 

Völlig verzweifelt bzgl. der Lage des Landes und meiner Familie haben wir mehrere Wege gesucht, meine Eltern aus dem Land zu bekommen. Da meine Eltern, beide über 60, kein eigenes Auto hatten, und Sie auch sehr weit von der polnischen Grenze wohnen und alle Zugverbindung und weitere Fahrtmöglichkeiten nicht mehr fuhren, mussten wir einen Notfallplan schmieden. 

Da meine Eltern nur ca. 100km von der Moldawischen Grenze entfernt wohnten, blieb nur dieser Weg, um so schnell wie möglich aus dem Land zu kommen, da wir nicht wussten und abwarten wollten, was im Land noch passiert.

Mein Ehemann hat sich mit meinen Schwager ins Auto gesetzt und haben meine Familie in Moldawien abgeholt und nach 4000km und ca. 60 Stunden später konnte ich meine Eltern endlich im Arm halten! 

Nach der Ankunft mussten wir die ersten 2-3 Wochen uns um alle möglichen Formalitäten kümmern. Anmeldung, Registrierung, Krankenkasse, Arztbesuche, Asylantrag, doch kein Asylantrag, Unterbringung, usw. 

Während dessen haben wir im nach hinein sehr viele schöne Zeiten gemeinsam verbracht, obwohl es keine Erholung war. Hauptsache wir waren zusammen. 

Nach diesem ganzen hin und her, dachten wir, dass wir jetzt vorerst alles geklärt haben und uns jetzt auf unsere Gemeinsamkeit konzentrieren können.

Dann kam am 23.03 2022 der panische Anruf meiner Mutter, dass mein Vater sehr schlecht Luft bekommt und ich bitte den Krankenwagen rufen soll, da Sie nicht weiss, welche Nummer Sie wählen soll und was bzw. Wie Sie es sagen soll...

Zu erwähnen ist noch, dass wir am Tag vorher beim Arzt waren und er uns sagte, dass es zurzeit gut aussieht.

Nachdem ich den Krankenwagen gerufen habe, habe ich alles hingeschmissen und bin sofort zu meinen Eltern in die Wohnung gefahren, welche uns eine sehr hilfsbereite und nette Familie vorübergehend zur Verfügung gestellt hat. 

Nachdem der Notarzt Ihm den nötigen Sauerstoff gegeben hat, hat er sich wieder besser gefühlt. Mein Vater bestand aber trotzdem auf eine Nacht im Krankenhaus unter Aufsicht. 

Im Krankenhaus angekommen wurden diverse Aufnahmen seiner Lunge gemacht. Abends wurde uns dann mitgeteilt, dass leider keine Hoffnung für Ihn besteht und nur noch Gott ihn retten kann. 

Am selben Abend wurde er ins künstliche Koma gelegt, da er Kollabiert ist. 

Ab da an haben wir mehrmals Anrufe von den Ärzten bekommen, dass es jetzt vermutlich so weit ist und wir uns verabschieden sollen, da er nicht mehr in der Lage ist, selber zu atmen. 

Da ich den Stress zu Hause unter Angst nicht mehr ertragen konnte und auf jeden Ton vom Handy allergisch reagiert habe, habe ich im Endeffekt 10 volle Tage neber meinem Vater in Krankenhaus gelegen und habe Ihn am 03.04.2022 bei einem schönen Sonnenaufgang verloren. 

Er ist mit leider erst 63 Jahren von uns gegangen...

Ein paar Tage nach dem Verlust mussten wir uns gemeinsam natürlich auch über die Beisetzung ausseinder setzen, welche sich aufgrund der Flüchtlingspolitik sehr schwer gestaltet hat.

Während all dem Trauer, war ich zugleich so erschrocken, wie teuer das Sterben in Deutschland doch ist... 

Da mein Ehemann sich aufgrund der Corona Krise in der Privatinsolvenz befindet und wir nicht aus wohlhabenden Familien kommen, mussten wir wegen der Bestattung einen Kredit aufnehmen, welchen wir nur sehr schwer zurück zahlen können. 

Aus diesem Grund schreibe ich hier, da es uns aufgrund dem Verlust und den folgen des Ukraine Krieg nur sehr schwer ist, wieder zu lächeln, da wir uns jeden Tag mit neuen Hindernissen ausseinander setzen müssen und uns die Geldprobleme noch im Nacken sitzen, dass es uns sogar schon sehr schwer fällt, frei zu atmen. 

Ich bedanke mich bei allen, welche sich die Zeit genommen haben, bis hier hin zu lesen. 

Wir sind Ihnen für jede Hilfe dankbar!

Ich möchte noch erwähnen, dass ich nichts verlange, sondern darum bitte. Jede Kleinigkeit hilft uns derzeit sehr! 



Es wurden noch keine Aktualisierungen für diese Aktion eingestellt.








0 Spenden
€ 0,00
Ziel: € 8.000,00
0%

Sie können jetzt der Erste sein, der diese Aktion unterstützt! Spenden Sie und fügen Sie (optional) eine persönliche Nachricht hinzu.